Neues aus unseren Blogs

Herrenhaarnetz oder Netz-Bundhaube

am 24.07.2016, von Rotschopf

Eigentlich war mein Plan ja ein ganz andrer. Nämlich ein normales Haarnetz für einen Mann zu machen. Vorbild war mir das Haarnetz aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, das dort als Männerhaarnetz eingeordnet worden war. Es hatte mit einem Scherz begonnen („Höhö, ein Männerhaarnetz, ich knüpfs, wenn dus aufsetzt!“ „Passt.“) und wurde dann bitterer Ernst. Karl, […]

Herrenausstattung von 0 auf 100 – Teil 5, die Gugel

am 18.07.2016, von Rotschopf

Ich tu jetzt einfach mal so, als würdet ihr nicht bereits seit Februar auf den letzten Teil meiner Serie warten (der Rock) und schiebe hier einen Teil ein, der eigentlich gar nicht vorgesehen war, den ich aber einfach mal schnell eingeschoben hab, weil ich ein paar Stunden frei hatte, andere Projekte aus verschiedenen Gründen „on […]

Besser als ein Becherfetzerl

am 17.07.2016, von Niklas

Becherfetzerl. Kennen das alle? Man kann auch Krugtuch oder Deckeldecke dazu sagen. Und es wird gern im Marktbereich eingesetzt. Wie so was aussieht? Na es ist ein erstaunliches Stück Textil das meistens hundert mal aufwändiger gestaltet wird als die Kleidung seines Besitzers. Man hat angeblich schon Exemplare gesehen in die die halbe Tristansage gestickt war und an deren Ecke fette Bernsteinperlen baumelten.

Der Zweck dieser Dinger ist ja eigentlich ein legitimer, keiner mag Mücken, Fliegen oder Wespen in seinem Saft. Auch wir A-Päpste nicht. Anstatt aber kreative Lösungen aus den lurexbeborteten Tütenärmeln zu ziehen, greifen wir Langweiler zu einem heute ja leider wenig beliebten Medium: Dem Buch.

In meinem Fall war es Alice Schwarzenbergers etwas nüchtern betiteltes aber ausgezeichnetes Werk: "Keramik des Mittelalters und der Neuzeit in Oberösterreich". Denn da drin war etwas abgebildet, das mein Problem mit der illegalen Einreise von Zuckerimmigrationswespen und Flüchtlingsfliegen in mein Fruchtsaftparadies lösen würde.

Das Wunderding EN-B 42, Seite 162, Tafel 35 aus obig genannten Werk


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Ahh .. A!

am 16.07.2016, von Niklas

Manchmal macht man was in diesem Hobby und denkt gar nicht dran, dass es außer historischen Quellen auch Szeneinternes und Geopolitisches gibt das Auswirkungen haben könnte. So ging es mir jedenfalls mit meiner neuen Gürteltasche die schon im letzten Beitrag kurz vor der Vollendung stand.

Aber fangen wir mal von der anderen Ecke her an. Über das Tragen von Dolchen und Dolchmessern als Trachtbestandteil habe ich ja schon einiges geschrieben hier auf unserem Blog. Und auch die kombinierte Trageweise in Verbindung mit einer Gürteltasche ist bisher nicht gerade unbehandelt geblieben, so zum Beispiel hier.

Das dann für eine neue Dolchscheide mit Dolch auch ein neues Täschchen her muss ist ja in Wahrheit gar kein Muss sondern ein Will. Aber bei so schönen roten Leder auf ein Gürteltäschchen verzichten? Niemals nicht!

Noch mal das Bild aus dem letzten Beitrag .. für alle die sich nicht nochmal durch eine Messerhymne quälen wollen
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In Hülle mit Fülle

am 11.07.2016, von Niklas

Vor gar nicht all zu langer Zeit (Nein, nicht Biene Maja) habe ich hier meinen neuen Basilard-Dolch nach den Funden aus der Schweiz vorgestellt und dort auch angekündigt ich würde eine Scheide dafür machen. Nun, hab ich jetzt:

Basilard in roter Lederscheide (Ortband, Mundblech und Mittelbeschlag) in Kombination mit einer Gürteltasche

Und weil Bürgerlein von Welt natürlich schick gerne mit schick verbindet hab ich mir auch noch ein passendes Täschchen dazu geleistet (das an späterer Stelle noch genauer unter die Lupe kommt wenn es komplett fertig ist.)

Vorlagen für Dolch und Dolchmesserscheiden hat es in den Bildquellen eine wirkliche Menge, viele davon zeigen nur ein Ortband, manche Ortband und Mundblech und eine stattliche Anzahl eine Version wie sie auch an Originalen zu finden ist: Ortband, Mundblech und Mittelbeschlag.
Interessanterweise sind um 1340 über ganz Europa verstreut solche Dolchscheidenbeschläge auch noch im selben Stil zu finden:

3-teilige Scheidenbeschläge zwischen 1335 und 1350 (v.l.: Deutschland, Böhmen, Österreich und zwei mal Italien)

Auch im archäologischen Fundgut findet sich dieser Typus zum Beispiel bei einem Nierendolch in Hameln, Deutschland oder auch in Dordrecht in den Niederlanden.


3-teilige Dolchscheidenbeschläge aus Hameln (links) und Dordrecht (rechts)

Was auf den Abbildungen in den meisten Fällen als eine Art Zackenmuster dargestellt ist ergibt mit Blick auf die erhaltenen Exemplare ein anderes, aber um so schlüssigeres Bild: Dort wurden die Kanten der Beschläge (möglicherweise in Anklang an architektonische Vorbilder) mit Bögen verziert.

Eben diese Zierform habe ich dann auch für meine Beschläge übernommen und das Blech nach dem Zuschneiden mit Lochpunzen entsprechend ausgespart.


Zusätzlich hab ich noch zwei parallele Linien hinzugefügt die die Beschläge weiter gliedern. Auch das Ortband hat diese Art der Verzierung erhalten:


Die Beschläge bestehen aus Messingblech das ich um die Scheide herum geformt habe. Auf der Rückseite wurden wie beim Hamelner Original Röhrchen für die Aufhängung angebracht und das Ganze dann verlötet.


Die Scheide selbst hat einen Holzkern aus Kiefernholz, welcher innen mit stark gewalktem Wolltuch ausgelegt ist und außen, von einem mittlerweile mit dem Nerven am Ende befindlichen Nachbarn / Schuhmacher / Freund / Geduldswunder mit einer wendegenähten Lederscheide aus Rindsleder (beim Gerben bereits Krapp gefärbt) überzogen ist. Zusätzlich zu dem ohnehin sehr strammen Sitz der Beschläge habe ich diese auch noch mit dem Scheidenleder verleimt.

Auch das Scheidenleder weist die 2 parallelen Linien auf, die wie virtuelle Pfeiler die Bögen der Scheidenbeschläge miteinander verbinden:


Als Aufhängeband dient mir bei dieser Scheide ein durch die Hülsen des Mundblechs und des Mittelbeschlags geführtes Lederband. Leder deshalb weil durch das hohe Gewicht des Messers das ursprüngliche fingerschlaufengeflochtene Seidenband schon nach einem "Spaziergang" besorgniserregend durchgescheuert war.

Damit, und mit der hoffentlich bald fertigen Tasche und dem fast fertigen neuen Hut, dem bei der Vereinskollegin / Nähwütigen / guten Freundin befindlichen neuen Mantel und dem in Planung befindlichen neuen Rock kann ich in Verbindung mit meinen "alten" indigogefärbten Hosen und in den hoffentlich irgendwann (wenn sich des Nachbarns / Schuhmachers / Freundes / Geduldswunders Nerven beruhigt haben) neu dazugekommenen Schlüpfschuhen beruhigt Richtung neue Darstellung schreiten.

In diesem Sinne .. einen ofenheißen Tag euch allen .. und ich schließe, wie immer, mit einem Bild:


Abstract for english speaking visitors:
I made a scabbard for my new basilard /baselard. The scabbard was built following pictures form all over europe dating to the first half of the 14th century. It has a wooden core covered with red bovinae leather and three seperate pieces of metal decoration (following surviving examples shown above)

Es ist zum Weinen ...

am 06.07.2016, von Niklas

.. wenn man den inneren Zwang hat Blogartikel mit einem Wortscherz, meist einem flachen, zu beginnen. Deshalb versuch ich mir das ab jetzt abzugewöhnen und werde sachlich:

Neue Messer sind entstanden und weil mir danach war habe ich, immer noch inspiriert vom Vertiefen in die Geschichte Wiens in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts und beeinflusst vom Wunsch der neuen Besitzerin des dicken Dings (Nein, ich hab keine neue Ehefrau .. und ich bin nicht dick! Nicht richtig zu mindestens), das Thema "Wein" für die Messer aufgegriffen.

Und nein, wie man sieht sind es keine Rebmesser wie dieses hier, sondern Messer die sich scheidendekoristisch mit dem Thema Wein auseinandersetzen. Das erste davon soll ein Küchenmesser für eine Freundin sein die sich das 12.Jahrhundert auf das Pennon geschrieben hat. Das zweite Messer hingegen ist mein eigenes und wird, Widerstand ist zwecklos, dem Kollektiv hinzugefügt.

Zwei mittelalterliche Messer - ein romanisches Küchenmesser (oben) und ein hochgotisches Essmesser (rechts unten)


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Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts - Teil 4

am 27.06.2016, von Niklas

Nachdem ich im Teil 2 der Serie "Das Wiener Wehrbürgertum in der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts" schon auf das Ausfahren und seine Einsatzfälle eingegangen bin möchte ich hier noch einige Überlegungen zum "täglichen Brot", also dem Alltag der ausfahrenden Wiener Bürger im Einsatz eingehen. Und nein, es geht jetzt nicht um das Care-Paket das Mama Gürtler dem Sohnemann auf Kriegszug in die Tasche stopfte.

Zu all dem muss ich aber zu Beginn gleich sagen: Ich bin kein Militärhistoriker (meine taktische Erfahrung ist bereits mit zwölf Zinnfiguren auf einem grünen Tischtuch umfassend beschrieben) und die hier angestellten Schlüsse und Vermutungen stammen aus hunderten Quellen aus denen ich versucht habe ein sinnvolles Puzzle zu erstellen.

Diese Darstellung der Schlacht von Kortrijk (Courtrai) ist eine der wenigen aus der ersten Hälfte des 14.Jahrhunderts die (wahrheitsgemäß) einen KampfInfanterie gegen Berittene zeigt

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Arbeitsgewand einer Färberin um 1350

am 20.06.2016, von Rotschopf

Ein weiteres unserer vollständigen Ensembles könnt ihr hier sehen. Das Arbeitsgewand einer einfachen Frau (Färberin) um 1340-50 in Wien.   Hier sieht man: Rock: Mit Birkenblättern und Eisensulfat Pflanzengefärbte Wolle in 1/2er Köper-Bindung nach diversen Abbildungen aus Österreich und Deutschland um 1350, zugeschnitten nach Vorbild der Herjolfsnesfunde, ungeknöpft, genäht mit passendem Wollfaden aus der gleichen […]

Alle Biester in die Käfige!

am 17.06.2016, von Niklas

Moment ... bevor mir jetzt jemand das von mir oft bespendete "Greenpeace" auf den Hals hetzt oder gerade dabei ist das rollende Suizidkommando der "Vier Pfoten" zu bestellen: Mit "Biest" ist mein neues Dolchmesser gemeint!

Dolchmesser, 1.Hälfte 14.Jahrhundert, mit Plättchengriff

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Mein Schatz!!!!

am 16.06.2016, von Sophia

Und damit ist diesmal ausnahmsweise nicht der mir Angetraute gemeint!

Was mich dieser Tage in Entzücken versetzt ist das hier:


Der Stoff für ein Kleid, das ich mir als nächstes vornehmen möchte. Nun mag man sagen: ja gut, schön. Der Stoff ist recht nett und schön gestreift; manche mögen meinen, vielleicht ein wenig bunt. Aber genau hier liegt der Wert!

Nicht nur dass er handgewebt ist, aus Garnen, die mit historisch belegten Pflanzen gefärbt wurden. Nein, das Wunder geht noch weiter ins Detail.

Und hier möchte ich kurz abschweifen: denn das ist durchaus ein Aspekt des Reenactment-Hobbys, den ich so sehr schätze! Unser Qualitätsanspruch zwingt uns geradezu, auf handwerklich gefertigte Produkte zurückzugreifen, denn industrielle Fertigungsweisen gab es im 14. Jahrhundert schlichtweg nicht. Und das ist es, wodurch wir viele liebe Menschen kennenlernen, die ihre Fähigkeiten hier in den Dienst der Sache stellen und viel Zeit, Geduld und Energie darauf verwenden zu recherchieren und sich in intensiver Kleinarbeit Fertigkeiten anzulernen, die sie brauchen, um die großartigen Repliken zu fertigen, mit denen wir uns dann umgeben dürfen. In vielen Fällen gibt es niemanden mehr, den man um Rat fragen kann, da viele der Handwerkstechniken oder Feinheiten in Vergessenheit geraten sind. Umso faszinierender finde ich es, wieviel Herzblut in die Fertigung all dieser Unikate fließt. Und das sehe ich ja laufend auch daheim, wenn mein mir angetrauter Schatz wieder an einem neuen Messer arbeitet.

Aber weben kann bei uns halt leider keiner so wirklich. Und schon garnicht auf dem Niveau der Handweberei Zeitensprung.

Und da vielleicht nicht ganz so viel Zeit aber ebensoviel Ernsthaftigkeit und Liebe zum Detail in die Erstellung von Blog-Beiträgen fließt, möchte ich hier gar nicht weiter zu den Hintergründen des Stoffes schreiben sondern einfach auf den Blog von Zeitensprung verweisen, der sich diesem Thema mit dem Titel "Extended Tabby" ausführlich widmet und wunderbar zeigt, wieviel Vorbereitungsarbeit notwendig ist, um so feine Dinge zu schaffen!

Teil 1
Teil 2

Und damit an dieser Stelle nochmal allerherzlichsten Dank an Silvia für diese großartige Arbeit!

Nun muss ich nur mehr den Mut aufbringen, den Stoff anzuschneiden....

 

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