Neues aus unseren Blogs

Mittelalterliche Kosmetik und Schönheitsroutine

am 22.06.2017, von Rotschopf

Wenn ihr euch einen mittelalterlichen Menschen vorstellt, was seht ihr da? Verfaulte Zähne? Fettige Haare? Dreckige, pickelige Haut? Haarige Achseln und Schweißgeruch? Für manch einen mag das gestimmt haben. Ja, für manch einen stimmt das heute noch. Aber dass es anders geht und gemacht wurde, das beweisen uns mittelalterliche Quellen immer wieder. Der mittelalterliche Mensch […]

Jetzt aber endlich .. Bunte Zelte!

am 19.06.2017, von Nikolaus Hofbauer

Angefangen haben wir ja schon letztes Jahr mit der ersten Testreihe. Da wurde in Ölkasein, Öltempera, Eiweißtempera und was weiß ich noch alles erst mal ein Probestück bemalt. Dann hab ich das Probestück regelmäßig mit dem Schlauch abgespritzt und trocknen lassen .. und im nassen wie trockenen Zustand auf der Farbe herumgerubbelt.

Schnell zeigten sich die ersten K.O.-Kriterien:

- alles mit Öl in der Basis machte unschöne, fettige Randstreifen auf der Zeltleinwand
- Eitempera begann ohnehin gleich ganz einfach fröhlich zu schimmeln

Der Gewinner, die Kaseinfarbe, war hingegen von der Witterung, dem Wasser und vor allem meinen Abkratzbemühungen hingegen völlig unbeeindruckt. Und trotzdem musste der Kaseinanstrich trotz seines hart erkämpften Sieges noch einen ganzen Winter warten bevor er seinen Triumphzug antreten konnte. Der übrigens so aussah:

Weiterlesen »

Niklas der Zechmeister - ein Rekonstruktionsversuch

am 14.06.2017, von Nikolaus Hofbauer

Prost! Zechmeister klingt ja schwer nach Alkoholiker. Ist es aber nicht, denn in der Tat hießen die "Zünfte" im Wien um 1350 nämlich "Zechen". Und einen Vorsteher so einer Zeche möchte ich mit meinem neuen Rekonstruktionsversuch einer hochgotischen Alltagskleidung angehen.

(1) Wohlhabender Wiener Handwerker um 1350
A wealthy viennese Craftsman aorund 1350

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article 
Weiterlesen »

es grüßt der oberste Richter [...] alle, an die folgende Verordnungen gehen - Organisation in Zünften

am 14.06.2017, von Eva-Maria

Obwohl sich professionelle Seidensticker/innen schon früh zur Interessensgemeinschaften zusammengeschlossen hatten, wurden die korrespondierenden Zünfte allerdings oftmals erst im 15. oder 16. Jahrhundert formell gegründet (zB 1471 in Paris, 1561 in London). Der Eintritt in die Zunft war unterschiedlich geregelt, entweder nur mit einer Eintrittsgebühr ganz ohne Prüfung oder mit der Eintrittsgebühr und erfolgreich absolvierter Kenntnisstandsprüfung. Letztere gab es lediglich zur Meisterwerdung in Form der Meisterprüfung, in der genormte Beispiele in zumeist einer festgesetzten Frist zu sticken waren; und auch diese Bestimmungen galten zu verschiedenen Zeiten und fielen unterschiedlich aus. Während in Paris ein Meisterstück ("chief-d'oeuvre") schon 1316 erwähnt wurde, ähnlich wie in München 1420, wo die Sticker drei (unspezifizierte)...

Weiter lesen

umb ain creutz auff das messgewandt zu machen - Produktionszentren mittelalterlicher Stickerei

am 08.06.2017, von Eva-Maria

Die Seidenstickerei war vor Seidenspinnerei und -weberei sowie der Seidenfärberei der erste Zweig der Seidengewerbe im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts. London, Paris und einige niederländische sowie deutsche Städte wurden erst dadurch bedeutende Produktions- und Handelszentren für Seidenwaren nördlich der Alpen.
  • In Brügge werden 1296 unter den Zünften die cultensteckers, aber noch nicht Seidenweber genannt; (mit ihnen auch noch Gold- und Silberschmiede); Eine entsprechende Gewerbeordnung für Sticker ist erstmals 1441 nachweisbar.

  • In Gent finden wir ebenfalls zuerst wapinmaker (1314), 1358 ist eine Namensliste der in der Stadt tätigen “kulktenstikkers“ erhalten. Die älteste bekannte Verordnung für Sticker in Gent datiert auf...

Weiter lesen

strich daz fiur under allenthalben daz er erwarme - Kochen am offenen Feuer

am 30.05.2017, von Carmen

Kochen am offenen Feuer assoziierte ich bis vor wenigen Jahren, bevor ich mit Living History begonnen hatte, noch hauptsächlich mit Grillen von Würstchen am Lagerfeuer - und so in etwa waren auch meine Kochkünste. angel Wenn man sich jedoch mit der Mittelalterlichen Küche beschäftigt, lernt man schnell, dass es viele verschiedene Möglichkeiten gibt, dem Feuer "HerrIn zu werden" und tolle Speisen basierend auf historischen Rezepten zu zaubern. Mit jedem ausprobierten Rezept kamen bei mir viele neue Erfahrungen hinzu. Von Mal zu Mal passieren auch weniger "Unglücke" - und das ist durchaus etwas, das zumindest alle freut, die ich bekochen darf. wink

Damals wie heute gilt: Eine gut ausgestattet Küche ist das Ah und Oh! Wer jedoch noch gar nie am offenem Feuer gekocht hat und damit starten möchte, der benötigt meines Erachtens eine kleine...

Weiter lesen

Nähtipps für Reenactor / sewing hacks for reenactors

am 11.05.2017, von Eva-Maria

Manchmal braucht frau/mann ein wenig Hilfe aus dem Internet. Vor allem visuelle Typen (wie ich wink) tun sich leichter beim Nähen, wenn es dazu ein bebildertes Tutorial gibt. Also hab ich euch für meine Lieblingslinks rund um "Wie zeichne ich selbst ein passendes Schnittmuster?" und "Wie nähe ich das richtig zusammen?" zusammengestellt.

Sometimes an illustrated tutorial works wonders towards solving a sewing problem (at least for visual guys like me wink). Therefore, I have listed my favourite links for patterning yourself and sewing period clothing.

 

Schemazeichnungen von Kleidungsfunden / schematic drawings of extant clothing

Weiter lesen

Beim Bader

am 06.05.2017, von Nikolaus Hofbauer

Wie befinden uns im Jahre 1340 n.Chr. Das ganze Mittelalter ist besetzt von Dreck, Blut und Eiter .... das ganze Mittelalter? Nein. Ein von renitenten Wienern bevölkertes, städtisches Badehaus hört nicht auf dem Klischeeschmutz Widerstand zu leisten ..

So oder ähnlich könnte man unsere Intention beschreiben als wir uns daran machten ein wenig Filmlicht in die Badekultur des 14.Jahrhunderts zu bringen. Dies ist also ein Blogbeitrag für den es ein Begleitvideo gibt. Klingt cool, oder? Na, man könnte auch sagen dieser Beitrag soll das erklären und vertiefen was man im Video zu sehen kriegt .. ein Buch zum Film also. Auch lässig!

Aber beginnen wir zuerst mit einem (wirklich) kurzen Abriss der Badegeschichte. Wer gerne mehr darüber erfahren möchte dem sei z.b. Birgit Tuchens "Öffentliche Badhäuser in Deutschland und der Schweiz im Mittelalter und der frühen Neuzeit" oder Maja Grafs "Städtische Badekultur im Mittelalter" ans Herz gelegt. Vor allem Fr. Tuchens Buch ist eine sprudelnde Quelle an Wissen über die Badekultur des Mittelalters und eine der Hauptquellen für unser Video und diesen Beitrag.

Die römische Badekultur mit Tauch- und Wannenbädern blieb auch nach dem Verfall der antiken Thermen lange in Klöstern und im adeligen Umfeld die Norm, so zeigt auch z.b. die Manessische Liederhandschrift Herrn Jakob von Warte beim Bad im Zuber. Im bürgerlichen und überraschenderweise auch dörflichen Umfeld setzte sich hingegen die (aus germanischer Tradition stammende) Schwitzbadekultur durch. Statt lustvollem Rumzubern mit Weintrauben und nackten Weibern hatten wir also ein paar schweißtreibende Drehtage mit alten, nackten und geruchvoll schwitzenden Männern vor uns. Tja, so ist das in der Living History. Kein Spaß weit und breit. 


Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article

Weiterlesen »

Spiralen im Gesicht - Opus Anglicanum / spirals in the face - Opus Anglicanum

am 24.04.2017, von Eva-Maria

Ein Grund, warum die Gesichter im Opus Anglicanum so lebensecht wirken, ist die besondere Sticktechnik. Im Gegensatz zu anderen Sticktechniken wird hier nämlich nicht nur die Fläche mit Spaltstich gefüllt, sondern auch auf die Linienführung geachtet. Indem die Stickstiche den Konturen des Gesichts folgen und Wangen und Kinn mit spiralförmiger Stickerei betont werden, entsteht eine plastisch wirkende Fläche. Da bekommt der Begriff Nadelmalerei gleich eine ganz andere Bedeutung. Wer gerne lernen möchte, wie man ein Gesicht in Opus Anglicanum Technik stickt, dem empfehle ich das Video Tutorial von Sarah Homfray. Für alle anderen gibt's ein paar Bilder...

Benötigtes Material: fein gewebter Leinengrund, Seidenfaden in verschieden Schattierungen;

Verwendete Sticharten: Spaltstich;

Ein Beispiel: Gesicht aus dem Baum Jesse, England,...

Weiter lesen

Die Schönheit der Wiederholung / the beauty of repetition

am 11.04.2017, von Eva-Maria

Als meine Nerven kürzlich etwas Beruhigung brauchten und meine Geduld nicht für weitere Arbeit am Opus Anglicanum Projekt reichte, habe ich eine kleine Ziegelstich-Stickerei begonnen. Vorbild für das Muster und die Farbgebung war der im V&A ausgestellte Beutel aus der Bock Collection (unten links). Als Material verwende ich Stickgrund aus Leinen mit 12 Fäden je Zentimeter sowie dicken weißen Leinenfaden (40x3 tex) und pflanzengefärbte Filamentseide in dunklem Krapprot und einer Doppelfärbung Indigo/Wau.

Recently I got sidetracked from my Opus Anglicanum project by a little brick stitch embroidery. I used the exhibited bag from the Bock collection at the V&A (bottom left) as reference for pattern and colouring. My embroidery is done on 12 threads per centimeter linen fabric using thick linen thread (40x3 tex) and plant-dyed filament...

Weiter lesen

 

Mehr Posts finden Sie auf den Blogs unserer Mitglieder

12622114_1041824662545206_8273693369508769538_o

Unbenannt

Unbenannt3