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Lamechs Tochter fain, die erst Nettrin soll gwesen sein - Frauen als professionelle Stickerinnen

am 18.07.2017, von Eva-Maria

Im Widerspruch zum modern geprägten Bild von der Frau im Mittelalter, die sich einzig um Haushalt und Kindererziehung kümmerte, war die Erwerbstätigkeit von Frauen im Spätmittelalter mehr die Regel denn die Ausnahme. Es gab kaum ein Handwerk bzw. Gewerbe, in dem Frauen nicht zu finden waren. Sie arbeiteten unter anderem als Metzger, Eisenhändler, Netzmacher, Schuster, Handschuhmacher und Gürtler, Kurzwarenhändler, Taschen- und Hutmacher, Kürschner, Buchbinder, Vergolder, Maler, Seidenweber und Seidensticker, Gewürzhändler, Schmied und Goldschmied sowie diversen weiteren Handwerkszweigen. Doch auch als eigenständig Gewerbetreibende, sogenannte „femme sole“ werden Frauen in den diversen städtischen Aufzeichnungen genannt. Sie arbeiteten hier oft als selbstständige Zulieferer in der Textilindustrie (zB als Spinnerin im Nebenerwerb) oder...

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Anleitung für eine brettchengewebte Kante / tutorial on a tablet-woven edge

am 10.07.2017, von Eva-Maria

Immer wieder begegnen uns Almosenbeutel, die an der Seitennaht mit einer brettchengewebten Borte verziert sind. Auch einige der Kleiderfunde aus Herjolfsnes weisen brettchengewebte Verzierungen/Verstärkungen an Saumkanten auf. Grund genug, mich einmal mit deren Machart auseinanderzusetzen. Ich hatte zwar vor einigen Jahren einen Anfängerworkshop für Brettchenweben besucht, damals aber weder die Technik richtig verstanden noch eine anständige Borte zustande gebracht. Also hieß es für mich erstmal, die Basics zu Recherchieren. In der Publikation des Museums of London zu Textiles and Clothing 1150-1450 gibt es eine schöne Illustration, wie die brettchengewebte Kante gemacht wird. Wenn man - wie ich - auch die Grundlagen des Brettchenwebens nicht kennt, kann man damit allerdings wenig anfangen. Zum Glück gibt es begabte Kolleginnen aus...

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Ein kreisrundes Portrait - Teil 2 / a portrait in a roundel - part 2

am 05.07.2017, von Eva-Maria

Nach zahlreichen arbeitsamen Abenden und rund 25 Stunden Stickerei ist die Auftragsarbeit endlich fertig geworden. Das Portait in Opus Anglicanum Technik nach der Freskovorlage der "Allegorie der guten und schlechten Regierung" von Ambrogio Lorenzetti  (1338/1339) misst 8 Zentimeter im Durchmesser und funkelt golden, dass es eine Freude ist. Auch mit der Schattierung der Nadelmalerei in Spaltstich bin ich sehr zufrieden. Nun muss es nur mehr verpackt und seinem neuen Besitzer übergeben werden - der freut sich schon ganz wahnsinnig darauf.  laugh

After countless industrious evenings and 25 hours of embroidering, the comission is finally finished. The portrait in a roundel measures 8 centimeters in diameter and is worked in Opus Anglicanum technique after Ambrogio Lorenzetti's fresco painting "Allegory of Good and Bad Government"...

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mach das Gold flexibel - versenkte Anlegetechnik / making gold thread flexible - underside couching

am 29.06.2017, von Eva-Maria

Neben der oberflächlichen Anlegetechnik existiert noch eine zweite Möglichkeit, Goldfaden in Stickarbeiten zu verwenden - die versenkte Anlegetechnik. Dabei wird der Goldfaden in regelmäßigen Abständen mit Hilfe einer Fadenschlaufe auf die Hinterseite der Stickerei gezogen und so im Stoff verankert (Illustration der Technik). Der Vorteil hier ist, dass durch die regelmäßigen kleinen Knicke der Goldfaden nicht so steif auf dem Stoff aufliegt und das fertige Stickobjekt daher flexibler ist. Das war mitunter ein Grund, warum die versenkte Anlegetechnik im "Opus Anglicanum" breite Verwendung fand. Betrachtet man die erhaltenen Stickereien fällt zudem auf, dass die Abstände zwischen den Fixierungen recht kurz sind. Das liegt daran, dass nur so der steife Goldfaden auch gerade anliegt und schöne Linien bildet. Bei längeren Abständen...

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und wenn ein Lehrkind aufgedingt wird, soll es der Bruderschaft einen Gulden und ein Viertel Wein geben - Ausbildung der Sticker/innen

am 25.06.2017, von Eva-Maria

Mit dem Zusammenschluss der professionellen Sticker/innen zu Interessensgemeinschaften bzw. später auch Zünften, ergab sich auch die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für die Ausbildung von Lehrlingen festzulegen, die ganz auf die Werkstatten der Stickmeister beschränkt wurde. Die benötigte Lehrzeit war im Vergleich zu anderen Handwerken (mit in der Regel zwei bis drei Lehrjahren) ungewöhnlich hoch, beispielsweise dauerte die Ausbildung in Köln sechs Jahre (Ordnung der Kölner Wappensticker, § 2), in Mailand fünf Lehrjahre, in Paris anfangs sogar acht, 1566 ebenfalls sechs. Zur Absicherung eines Qualitätsstandards in einer Stadt gehörte auch, dass auf die Lehrzeit für zugewanderte Gesellen dann noch eine festgelegte Arbeitszeit vor Ort, die sogenannte Mutzeit, folgen musste, so in Köln vier Jahre (Ordnung der Kölner Wappensticker, §...

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Mittelalterliche Kosmetik und Schönheitsroutine

am 22.06.2017, von Rotschopf

Wenn ihr euch einen mittelalterlichen Menschen vorstellt, was seht ihr da? Verfaulte Zähne? Fettige Haare? Dreckige, pickelige Haut? Haarige Achseln und Schweißgeruch? Für manch einen mag das gestimmt haben. Ja, für manch einen stimmt das heute noch. Aber dass es anders geht und gemacht wurde, das beweisen uns mittelalterliche Quellen immer wieder. Der mittelalterliche Mensch […]

Jetzt aber endlich .. Bunte Zelte!

am 19.06.2017, von Nikolaus Hofbauer

Angefangen haben wir ja schon letztes Jahr mit der ersten Testreihe. Da wurde in Ölkasein, Öltempera, Eiweißtempera und was weiß ich noch alles erst mal ein Probestück bemalt. Dann hab ich das Probestück regelmäßig mit dem Schlauch abgespritzt und trocknen lassen .. und im nassen wie trockenen Zustand auf der Farbe herumgerubbelt.

Schnell zeigten sich die ersten K.O.-Kriterien:

- alles mit Öl in der Basis machte unschöne, fettige Randstreifen auf der Zeltleinwand
- Eitempera begann ohnehin gleich ganz einfach fröhlich zu schimmeln

Der Gewinner, die Kaseinfarbe, war hingegen von der Witterung, dem Wasser und vor allem meinen Abkratzbemühungen hingegen völlig unbeeindruckt. Und trotzdem musste der Kaseinanstrich trotz seines hart erkämpften Sieges noch einen ganzen Winter warten bevor er seinen Triumphzug antreten konnte. Der übrigens so aussah:

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Niklas der Zechmeister - ein Rekonstruktionsversuch

am 14.06.2017, von Nikolaus Hofbauer

Prost! Zechmeister klingt ja schwer nach Alkoholiker. Ist es aber nicht, denn in der Tat hießen die "Zünfte" im Wien um 1350 nämlich "Zechen". Und einen Vorsteher so einer Zeche möchte ich mit meinem neuen Rekonstruktionsversuch einer hochgotischen Alltagskleidung angehen.

(1) Wohlhabender Wiener Handwerker um 1350
A wealthy viennese Craftsman aorund 1350

Our english-speaking guests can find an abstract at the end of the article 
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es grüßt der oberste Richter [...] alle, an die folgende Verordnungen gehen - Organisation in Zünften

am 14.06.2017, von Eva-Maria

Obwohl sich professionelle Seidensticker/innen schon früh zur Interessensgemeinschaften zusammengeschlossen hatten, wurden die korrespondierenden Zünfte allerdings oftmals erst im 15. oder 16. Jahrhundert formell gegründet (zB 1471 in Paris, 1561 in London). Der Eintritt in die Zunft war unterschiedlich geregelt, entweder nur mit einer Eintrittsgebühr ganz ohne Prüfung oder mit der Eintrittsgebühr und erfolgreich absolvierter Kenntnisstandsprüfung. Letztere gab es lediglich zur Meisterwerdung in Form der Meisterprüfung, in der genormte Beispiele in zumeist einer festgesetzten Frist zu sticken waren; und auch diese Bestimmungen galten zu verschiedenen Zeiten und fielen unterschiedlich aus. Während in Paris ein Meisterstück ("chief-d'oeuvre") schon 1316 erwähnt wurde, ähnlich wie in München 1420, wo die Sticker drei (unspezifizierte)...

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umb ain creutz auff das messgewandt zu machen - Produktionszentren mittelalterlicher Stickerei

am 08.06.2017, von Eva-Maria

Die Seidenstickerei war vor Seidenspinnerei und -weberei sowie der Seidenfärberei der erste Zweig der Seidengewerbe im Mitteleuropa des 14. Jahrhunderts. London, Paris und einige niederländische sowie deutsche Städte wurden erst dadurch bedeutende Produktions- und Handelszentren für Seidenwaren nördlich der Alpen.
  • In Brügge werden 1296 unter den Zünften die cultensteckers, aber noch nicht Seidenweber genannt; (mit ihnen auch noch Gold- und Silberschmiede); Eine entsprechende Gewerbeordnung für Sticker ist erstmals 1441 nachweisbar.

  • In Gent finden wir ebenfalls zuerst wapinmaker (1314), 1358 ist eine Namensliste der in der Stadt tätigen “kulktenstikkers“ erhalten. Die älteste bekannte Verordnung für Sticker in Gent datiert auf...

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