Neues aus unseren Blogs

HOW TO: Gürtelbleche oder "Wie bastel ich einen Mittelaltergürtel?"

am 23.08.2016, von Niklas

Es ist soweit, ich mach ein How-To. Etwas das mir beruflich schon mehr als einmal einen Nervenzusammenbruch erspart hat wenn ich mal wieder irgendeinen Linuxserver etwas beibringen musste, das er so absolut nicht als seine Kernaufgabe akzeptieren wollte. Weil mich aber Computerbetriebssysteme zwar regelmäßig beschäftigen aber mein Bloginteresse nicht wirklich treffen, soll es um etwas gehen das einen Hobbynutzen hat.

Im heutigen Premieren-How-To patze ich also ein Beschreibung ins Netz in der es um  um einen einfachen Gürtel geht und ich will Schritt für Schritt zeigen wie man Schnallenblech und Riemenzunge anfertigt und montiert.

Dazu beginnen wir mit einer Übersicht was ihr dazu an Werkzeugen braucht. Ich hab dazu meine historischen Werkzeuge fotografiert, weil ich auch daheim am Esstisch damit arbeite. Man kann aber natürlich auch mit modernen Werkzeugen "substituieren" wenn man sich das ganze Klumpert nicht in Vorführungsqualität zulegen möchte. Entsprechende Hinweise werde ich bei den einzelnen Schritten angeben (wenn ich es nicht vergesse und es eurer Kreativität überlasse).

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den har spinnen - Verarbeitung von Flachs zu Leinen

am 22.08.2016, von Eva-Maria

In der bäuerlichen Hauswirtschaft gab es vornehmlich drei Faserlieferanten: das Schaf, den Flachs und den Hanf. Alle drei Rohstoffe wurden meist auf dem eigenen Hof produziert und dort versponnen und zu Tuch verarbeitet. Der Bauersfrau fiel im Rahmen der Textilherstellung nicht nur das Spinnen und Weben selbst zu, sondern der gesamte Herstellungsprozess von der Gewinnung der Rohstoffe bis zu den fertig hergestellten Kleidern lag in ihren Händen. Die so hergestellten Stoffe dienten einerseits als Zinsgut für den Grundherrn, andererseits als Handelsware für den städtischen Markt (und brachten dabei einen willkommenen Zuverdienst an den Hof).

Quelle: „Jahreszeiten - Lebenszeiten - Das bäuerliche Alltagsleben im Mittelalter insbesondere aus der Sicht der Frau“, Maria Narbeshuber, 2005.

Wie...

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Irgendwie ... drollig

am 19.08.2016, von Niklas

Drollig, nicht prollig. Und auch nicht rollig. Wirklich drollig! Von "Drolerien" und somit aus dem französischen drôl was so viel heißt wie lustig oder komisch.

Gemeint sind mit dem Begriff "Drolerie" übrigens die witzigen und oftmals mehr als schrägen Randbilderchen in der gotischen Buchmalerei. Auf mich wirken die immer so als würde ein junger Mönch der gerade 12 Seiten altes Testament abgeschrieben hat, und noch Farbe in der Muschel, das aufmalt von dem alle im Dormitorium immer gesagt haben: "Traust dich nie, Siegbert!"

Jedenfalls müssen alle Buchkünstler in der Welt da draußen und auch damals sich nicht fürchten dass ich in ihrem Revier wildere. Könnt ich auch gar nicht. Ich kann nur ein bisserl "in der Gegend rumschießen" mit  meiner Messerscheidenverziererei.


Grundlage für die letztägliche Drolligkeit war mal wieder Messerscheiden zu machen die ich so noch nie hatte. Und da wilde Phantasiekreaturen wie Greife oder Drachen auf Originalen zu finden waren dachte ich mir: "Was solls, mach was Fantasievolles! Die Leute werfen die ohnehin staubtrockene A-Papsttümlerei vor .. da kannst du auch mal deinen Spaß haben."
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Fingerschlaufenflechtmathematische Grundlagen .. oder "Aus Lang wird Kurz"

am 19.08.2016, von Niklas

Letztens hat meine wunderbare Tochter mal wieder ein fingerschlaufengeflochtenes Band für eine Vereinskollegin gemacht nur um nach getaner Arbeit festzustellen, dass das Band zum Frontschnürverschluss (Ich fürchte mit weiteren überlangen, zusammengesetzten Hauptwörtern ist in diesem Beitrag zu rechnen!) eines späten 14.Jhdt.-Kleides um genau 7cm zu kurz war.

Ha dachten wir uns da! (Also gleich nachdem wir uns "Drecksvermaledeiterhühnersch#*&%#" gedacht hatten.). Das kann ja so nicht angehen. Das muss experimentiert, dokumentiert und mathematisiert werden! Vor allem in Hinblick auf mein Beckenhaubenfingerschlaufenwebband, das demnächst ansteht.

Beginnen wir also mit einem furztrockenen und völlig lesensunwertigen Artikel über die "Mathematischen Grundlagen des Fingerschlaufenflechtens":

Ziel der Arbeit soll sein ein Band zu fertigen, dass eine Bandlänge von Lb aufweisen soll. Dazu ist es zunächst wichtig zu wissen dass auch bei einem fertigen Fingerschlaufengeflechtband (Ja, ich schreib das weiter aus, geht heute nämlich um Tippübungen, Sturheit und Übermut) ein Überstand von der Länge bleibt, nämlich dort am Ende des Bandes wo zwar noch Schlaufen vorhanden sind aber selbst zur Kinderarbeit gezwungene Jungmädchenfinger nicht mehr sinnvoll weiterflechten können. Gott sei Dank ist diese Überlänge relativ konstant und von der Fingerdimension abhängig. In unserem Fall wären es 5cm. ( = 5cm)

Die fertige Bandlänge Lb ergibt sich wiederum durch die ursprüngliche Schlaufenlänge Ls, die Anzahl der verwendeten Schlaufen S und eine von der Technik abhängige Verkürzung V. Daraus ergibt sich dann die einzusetzende Gesamtlänge an Faden von Lt .... blablaschnarch.

Ich verschon euch mal mit dem Rest und komm mal lesbarer zu den interessanten Fakten, ok?

Wir haben zwei Testbänder gemacht, eines in der schnellen 5-Schlaufen-Flachband-Technik und ein anderes in 8-Schlaufen-Rundband. Die Ergebnisse sind ziemlich eindeutig.

5-Schlaufen-Flachband-Technik

Wie diese Technik funktioniert kann man sich youtuben oder googeln, das Ergebnis ist jedenfalls ein flaches Band mit folgender Optik:

Flaches 5-Schlaufenband (oben, links)
 
Grundlage für das Band waren entsprechend also 5 Schlaufen aus einem in unserem Fall 110cm langen Faden pro Schlaufe. Also 550cm Fadenbedarf. Vom gemeinsamen Knoten an einer Seite bis zum Schlaufenende waren es also 55cm. Verstanden? Egal, ich mach ein Bild:


Dann wird geflochten und am Schluss kriegen wir ein Band (Bild siehe oben). Leider lässt sich so ein Bandl fingertechnisch nicht bis zum Ende flechten, also bleibt uns ein Rest und zwar 5 Schlaufen, jede ca. 5cm lang, am Ende:


Ja, dass das nicht maßstabsgetreu ist weiß ich auch. Soll aber mehr ein Sinnbild sein, ok? Also habe ich aus ca. 55cm langen Schlaufen ein 40cm langes Band erhalten. Das könnten wir jetzt (schweren Herzens und entgegen obiger Ankündigung und weil ich Formeln irgendwie gut finde) in eine Formel gießen die uns die benötigte Schlaufenlänge für ein Band gewünschter Länge gibt:


Um das ganze jetzt natürlich merkbarer zu gestalten und Fingerschlaufenflechter in handgenähter Kleidung zu vermeiden die kopfkratzend ihr Smartphone zücken wollen wir noch einen Merksatz versuchen:

Zum flachen Banderl ein Viertel und eine Handbreit dazu
dann hast die Länge vom Schlauferl und schon is' Ruh


Und schon können wir uns der anderen Technik zuwenden und die ganze Geschichte für ein 8-Schlaufen-Rundflechtband angeben, hier ergibt sich durch den veränderten Querschnitt eine stärkere Längsreduktion, in Formel ausgedrückt:


Aussehen tut so ein Band dann wie folgt:

Rundgeflochtenes Band mit 8 Schlaufen (unten)

Natürlich wollen wir auch hier ein Merksätzchen formulieren und weil (Achtung Bildung!):
"Repetitio est mater studiorum" (Die Wiederholung ist die Mutter der Gelehrtheit) machen wir alles zusammen noch mal:

Zum flachen Banderl ein Viertel und eine Handbreit dazu
dann hast die Länge vom Schlauferl und schon is' Ruh

A Drittel und a Handbreit zum Bandl ganz rund
und schon bist fertig in unter einer Stund'!



Damit hätten wir das volkstümliche und das wissenschaftliche jetzt wunderbar erledigt und ich entlasse euch, geliebte Leser mit der eindeutigen Aufforderung das Sprücherl auswendig zu lernen und nie mehr mit zu kurzem Bandl dazustehen!

PS: Ein Beitrag der die beiden Techniken auf Video vorstellt wäre geplant, sagt meine Tochter. Sobald mein neues Handy startbereit ist, sagt meine Tochter. Sie macht das, sagt sie ...

Onlineshop-Empfehlungen

am 18.08.2016, von Rotschopf

Wir sind ja oft und gern handwerklich tätig und können somit einen großen Teil unserer Ausrüstung im Tausch untereinander bekommen. Aber manchmal hat man einfach die Zeit oder die Lust oder die Werkzeuge nicht und dann darf man auch mal auf gute Online-Shops zurück greifen. Nur welche sind gut und wo bekommt man diese speziellen […]

Männerausstattung von 0 auf 100 – Teil 6, Der Rock

am 15.08.2016, von Rotschopf

Ich hatte ja bereits hier und hier schon einmal genaueren Einblick in den Herrenrock des einfachen Mannes in der ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts gegeben. Nun hab ich einen weiteren fertig für meinen Mann. Die Quellenlage: Gurker Dom um die Mitte des 14ten Jahrhundert Rückseite Verduner Altar um 1330 und nochmal Biblia Pauperum um 1330-40 […]

Ein Traum in Rosa / A study in pink

am 12.08.2016, von Eva-Maria

Nach unzähligen Nadelstichen ist der rosa Surcot für den Sonntagsstaat meiner Stickerinnendarstellung nun endlich fertig. Gemäß den Bildquellen hat er weitere Ärmel, die leicht zurückgeschoben werden können, um die Hände zum Arbeiten frei zu haben (ein nicht unwesentlicher Punkt für eine Handwerkerin, auch wenn sonntags üblicherweise nicht gearbeitet wird). Das Kleid ist figurnah als Schlupfkleid ohne Verschluss gearbeitet, hat Beutelschlitze in den vorderen Seitennähten und Überbodenlänge. Der Auschnitt ist recht moderat, die Farbe dafür jedoch modisch. Es könnte um den Torso etwas enger sitzen, aber das liegt daran, dass ich die hintere Mittelgere zu hoch eingesetzt habe. Naja, der nächste Winter kommt bestimmt - und mit ihm das Änderungsprojekt. In der Zwischenzeit bin ich zufrieden mit dem Ergebnis, auch wenn die Kombination von...

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Haar-Pflege und Frisuren im 14ten Jahrhundert

am 09.08.2016, von Rotschopf

Auf unserer Veranstaltung im Museum Tiroler Bauernhöfe am letzten Wochenende durfte ich auch einen Vortrag halten über Haarpflege und Frisuren, diesen habe ich nun zu digitalem Papier gebracht, damit ich auch für die Zukunft öfter mal hierauf verweisen kann. Bitte klickt unbedingt die Links im Text an, um zu weiterführenden Artikeln, den begleitenden Bildquellen und […]

Gebete am laufenden Band / prayer beads on a string

am 09.08.2016, von Eva-Maria

Da Religion eine bedeutende Rolle im Leben des mittelalterlichen Menschen spielte, ist es nicht verwunderlich, dass sich auch religiöse Gebrauchsgegenstände zu Statussymbolen weiterentwickelten. So passiert beim Paternoster - der Gebetskette, die als Vorläufer des modernen Rosenkranzes gilt - und der ursprünglich nur zum Abzählen der "Vater Unser" und "Ave Maria" diente. Da die Kette allerdings offen am Gürtel getragen wurde, bot sie die perfekte Gelegenheit, zugleich auch finanziellen Wohlstand zur Schau zu stellen, z.B. durch teure Materialien wie Koralle oder Bergkristall. Der obere Paternoster erfüllt genau diese Kriterien und ist daher als Accessoire für einen höheren Stand geeigent. Der untere Paternoster ist ungleich einfacher und auch für die Handwerker/innen-Schicht denkbar.

As religion played an important role in the...

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Die Krux mit der Kurve / conquering the sleeve head

am 03.08.2016, von Eva-Maria

Wer mich kennt weiß, dass ich mit Ärmeln an mittelalterlichen Kleidern so meine liebe Note habe. Das liegt daran, dass ich bisher nicht wirlich verstanden habe, wie die S-Kurve am Ärmelkopf gestaltet sein muss, um einerseits eine enge, faltenlose Passform zu erreichen und andererseits auch die Beweglichkeit des Arms zu ermöglichen. Ich habe zwar - dank des Tutorials von By my Measure - ein halbwegs funktionierendes Schnittmuster, muss das aber für jedes Kleid wieder neu anpassen. So auch beim rosa Surcot für den Sonntagsstaat meiner Stickerinnen-Darstellung. Hier musste der Ärmelkopf verändert werden, um die geplanten weiten Ärmel zu erzeugen. Also hab ich folgendes gemacht:

I never quite managed to get myself acquainted with the construction of medieval sleeves. Particularly the S-curve on the sleeve head always provides trouble...

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